Alain Brumont: Weinlegenden aus Frankreichs Südwesten.

Im Caveau des Hotel Lausanne Palace wurden in einer angenehm kleinen Runde, unter der kompetenten Leitung von Rolf Bichsel und in Anwesenheit des sehr gesprächigen Winzers 18 Weine von Alain Brumont präsentiert.

© vvWine

Alain Brumont begann seine Einleitung mit einer provokativen Aussage: „Der Südwesten ist eigentlich alles was übrig bleibt, nach Bordeaux und Burgund.“ Naja, nicht wirklich wahr aber auch nicht ganz unrecht, denn der Südwesten macht mit all seinen Appellationen rund 10% der ganzen Produktion Frankreichs aus.

Madiran ist die Heimat von Alain Brumont und der Name klingt, zumindest für das nicht frankophon gewöhnte Ohr, genauso mythisch wie die Namen der benachbarten Appellationen Cahors oder Bergerac.

Alain Brumont übernahm das Weingut in den 80er-Jahren von seinem Vater. 1991 wurde er durch die Jury der Genuss-Zeitschrift „Gault Millau“ zum Winzer des Jahrzehnts gewählt und seine Weine Château Montus, der Montus Cuvée Préstige und die top Cru La Tyre sind bei Weinkennern seit langem Kult. Brumont ist stolz, dass seine Weine immer wieder in grossen Bordeaux-Blindverkostungen ganz vorne mitspielen.

Alle Montus-Weine und auch die Weine von Château Bouscassé basieren mehrheitlich auf der Tannat-Traube. Die Einstiegs-Qualität bei Montus wird mit rund 20% Cabernet Sauvignon angereichert, die Basis-Cuvée von Château Bouscassé enthält neben 60% Tannat rund 20% Cabernet Sauvignon und 20% Cabernet Franc.

Die Weine von Brumont sind kräftig, komplex und nicht immer einfach zu verstehen. Brumont steht auch nach über 30 Jahren zu seiner Maxime: Säure und Tannin sind die beiden zentralen Elemente in einem Wein. Und über Tannin verfügen seine Weine in der Tat genügend. Im besten Fall, wie bei vielen Jahrgängen von La Tyre, sind diese Gerbstoffe unglaublich präzis geschliffen, verleihen dem Weine eine mächtige Struktur ohne aber die anderen Komponenten zu überlagern. In den nur wenigen schwierigen Weinjahren erdrückt das Gerbstoffkorsett aber auch schon mal die anderen Elemente.

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Den Anfang machten die Fassmuster 2014 welche eindrücklich aufzeigten, wie gut der Jahrgang im Madiran (und übrigens auch im Bordeaux) gewesen ist.

2014, Château Bouscassé, Madiran: Dunkles Bordeauxrot, violette Reflexe. Sehr kräftige Nase, sauber, noch etwas vom Holz geprägt, dunkle Beeren, vor allem Brombeeren aber auch etwas Cassis und eine schöne Würze, gute Komplexität. Sehr sauberer, präziser Auftakt, herrlich frische, knackige Frucht, wieder Brombeeren, dazu etwas weisser Pfeffer, das Holz sehr gut eingebunden, die Gerbstoffe fein und reif, dazu eine sehr gute Säure, gute Komplexität und Länge. Jetzt bis 2025, 17 vvPunkte (86/100)

2014, Château Bouscassé VV, Madiran: Dunkles Bordeaux, im Kern fast schwarz. Sehr kräftige, anfangs leicht animalische Nase, mit etwas Luft kommen dunkle Beeren, auch Teer und Torf, sehr gute Komplexität. Am Gaumen sauberer, saftiger Auftakt, neben dunklen Beeren auch rosa Grapefruit, präsentes, frisches Tannin, weniger breit und deutlich frischer als der normale Bouscassé. Jetzt bis 2030. 18 vvPunkte (91/100)

2014, Montus, Madiran: Dunkles Bordeauxrot, schöner Glanz. Leicht animalische Nase, braucht viel Luft, es zeigen sich wieder Aromen von Torf, dazu Rauch, Leder, sehr schöne Komplexität. Am Gaumen straffer Auftakt, unglaublich saftig mit rotbeeriger Frucht, wieder rosa Grapefruit, dann auch würzige Komponenten, erstaunlich frisch und knackig und mit Gerbstoffe von sehr guter Qualität ausgestattet. Komplex und mit einer grossartigen Säure sehr frisch und lang im Abgang. Ein sauberer, präziser Montus mit Reserven, 2018-2028, 18 vvPunkte (90/100)

2014, Montus Préstige, Madiran: Sehr dunkle Farbe, im Kern praktisch schwarz. Tiefe Nase, sehr nobel, noch leicht verhalten, kräftig, dunkelbeerig, wieder Torf aber auch dunkle Schokolade und Eukalyptus ungerlegt von eine feinen Mineralität, sehr komplex und sich ständig verändernd. Am Gaumen sauber, unglaublich kräftig und gleichzeitig mit einer bestechenden Eleganz, feinste, seidige Gerbstoffe, Massen davon, gestützt durch eine frische Säure, das ist ganz grosses Kino, ein grosser Schritt zum normalen, bereits sehr guten Montus, gefällt ausgezeichnet, 2022-2030+, 18,5 vvPunkte (93/100)

2014, Montus La Tyre, Madiran: Sehr dunkles Bordeauxrot, im Kern Schwarz. Saubere, noch leicht verhaltene Nase, da ist wieder der Torf, Garrigue-Kräuter, rosa Grapefruit, extrem tief und mit einem ganzen Korb an dunklen und roten Beeren, dazu würzige Noten, das Holz dezenter als beim Prestige, sensationell präzis und mit sehr guter Komplexität. Das aromatische Potenzial ist enorm. Sauberer Auftakt, einerseits nobel zurückhaltend, dann aber auch mit extremer Tiefe, die Gerbstoffe sind eine Sensation, fein, seidig, kraftvoll, präzis, fein geschliffen, dazu eine grossartige Säure, ein Hit. Hier wächst ein ganz grosser Wein heran. Gebaut für 20+ Jahre, 2025-2040, 19 vvPunkte (96/100)

© Daniel Gazzar

Weiter ging es mit zwei etwas älteren Weinen Château Bouscassé.

2010, Bouscassé, Madiran: Mittelkräftiges Bordeaux, schöner Glanz. Saubere Nase, offen, zugänglich, rote Beeren, würzige Komponenten, gute Komplexität. Am Gaumen weich und warm im Auftakt, sehr schöne Frucht, die Gerbstoffe präsent aber nicht zu dominant, eine leichte Süsse zeigt sich, dazu kommen auch Weihnachtsgewürze. Gute Komplexität und Länge, endet im Abgang auf Blutorange. Ein guter Wein für alle Tage. Jetzt bis 2024, 17 vvPunkte (85/100)

2006, Château Bouscassé VV, Madiran: Mittleres Bordeauxrot, Reifetöne. Saubere, tiefe Nase, wirkt sehr warm, einiges an Weihnachtsgewürzen, auch Eukalyptus und ein Anflug von Gummi, sehr gute Komplexität. Am Gaumen etwas rustikal im Auftakt, weiche, warme Frucht, rote Beeren, wieder etwas Gummi, die Harmonie stimmt hier nur bedingt, da sind zwar sehr schöne Gerbstoffe die noch präsent sind und dem Weine eine gute Struktur verleihen, die Säure ist mir hier aber ein Tick zu tief. Gute Komplexität und sehr gute Länge. Ein Wein der Essen braucht und nicht zu warm serviert werden sollte. Jetzt bis 2024, 17 vvPunkte (87/100)

Die nächste Serie bestand aus diversen Weinen von Château Montus.

2010, Château Montus, Madiran: Mittleres Bordeauxrot, leicht aufgehellter Rand. Sehr schöne, offene und reife Nase, rote Früchte, reife Feigen, auch mineralische Noten, schöne Komplexität. Am Gaumen sauber und klar im Auftakt, die rote Frucht der Nase wird ergänzt durch dunkle Beeren und würzige Komponenten, der Alkohol ist spürbar, die Gerbstoffe präzis, reif und fein, trotzdem hat der Wein eine gewisse Frische und eine sehr gute Qualität. Macht jetzt schon Spass, kann aber auch noch etwas reifen. Jetzt bis 2025, 18 vvPunkte (90/100)

2012, Château Montus, Madiran: Mittleres Bordeauxrot, leicht aufgehellter Rand. Saubere Nase, erinnert an einen jungen Syrah, neben dunklen Beeren auch weisser Pfeffer, Anflüge von nördlicher Rhone. Gute Komplexität. Am Gaumen kräftiger Auftakt, Brombeeren, Heidelbeeren, auch etwas Schokolade, sehr gute Harmonie, das Holz gut eingebunden, dominiert nicht, der Alkohol ist wahrnehmbar, wird aber durch eine saftige Säure gut balanciert. Gute Komplexität und sehr gute Länge. Hat Reserven und muss noch etwas reifen, 2019-2030, 17,5+ vvPunkte (89+/100)

1998, Château Château Montus Préstige, Madiran: Mittleres Bordeauxrot, am Rand ins Orange tendierend. Die Nase leicht animalisch, wirkt etwas rustikal, Anflüge von Pferdesattel und Schweiss (leichter Bret-Ton), dahinter verhalten Torf, gute Komplexität, am Gaumen saftiger Auftakt, erstaunlich frisch mit roten und dunklen Beeren, die Gerbstoffe sind noch präsent, die Säure verleiht Frische, die Frucht wirkt aber etwas zu verhalten, gute Komplexität, läuft aber Gefahr auszutrocknen. Gefällt mir nur bedingt, wer auf diesen Montus-Stil steht, braucht dazu sicherlich etwas zu Essen. Jetzt bis 2025, 16,5 vvPunkte (84/100)

1999, Château Montus Préstige, Madiran: Reifes Bordeauxrot, aufgehellter, ins Orange tendierender Rand. Die Nase angenehm tief und reif, wieder rustikal aber mit mehr positiven Düften und etwas weniger Bret, erinnert an einen schönen, leicht rustikalen Bordeaux. Deutlich mehr Finesse als der 98er, am Gaumen saftig, leicht krautig, angenehm frisch, die Frucht ist noch präsent und mit einer schönen Würze, wirkt etwas ausgewogener als 1998, hat aber weniger Struktur als dieser. Gefällt in seiner Art ganz gut. Jetzt bis 2022, 17 vvPunkte (86/100)

2000, Château Montus Préstige, Madiran: Mittleres Bordeauxrot, deutliche Reifetöne. Sehr offene, tiefe Nase, deutliche Tabaknoten, auch Teer, dazu würzige Düfte, sehr schöne Komplexität. Am Gaumen sauber, saftig im Auftakt, wieder Tabak, dazu eine unglaubliche Saftigkeit, die Gerbstoffe noch präsent, die Säure perfekt integriert, der Alkohol nicht zu hoch, sehr schöne Balance, Komplexität und Länge. Ein grossartiger Wein der sich in jeder Bordeaux-Probe gut halten dürfte. Jetzt bis 2024, 18,5 vvPunkte (93/100)

2002, Château Montus Préstige, Madiran: Dunkles Bordeauxrot, noch erstaunlich jugendlicher Glanz. Die Nase ist tief, rauchig, nobel, da sind dunkle Beeren, da ist Torf, wow, hervorragende Komplexität. Am Gaumen saftig, frisch und mit grossartiger Frucht im Auftakt, Massen an dunklen Beeren, sehr feine Tannine, präzis die Frucht und eine grossartige Säure, keinerlei Alkoholüberhang. Tolle Länge im Abgang. 2018 bis 2030, 19 vvPunkte (94/100)

Zum Abschluss gab es dann noch eine eindrückliche Vertikale von La Tyre.

2001, Château Montus La Tyre, Madiran: Dunkles Bordeauxrot, am Rand ins Orange tendierend. Die Nase löst einfach ein Wow aus, das ist gross, tief, nobel, reif, mit vielen Weihnachtsgewürzen, Lakrizze, auch florale Düfte, die Nase springt einem förmlich an. Mit etwas Luft kommen neben Tabaknoten auch Trüffel, Leder und reife dunkle Beeren dazu. Dieser Wein ist eine Droge. Grossartige Komplexität auch am Gaumen, zuerst weich und warm im Auftakt mit sensationeller Frucht, wieder Torf und Kräuter, die Gerbstoffe sind nach wie vor präsent, äusserst präzis. Ein grosser Wein mit sensationeller Länge.  Jetzt bis 2030, 19 vvPunkte (95/100)

2003, Château Montus La Tyre, Madiran: Reifes Bordeauxrot. Die Nase offen, warm mit Noten von Tabak, Torf, reifen Pflaumen. Vielleicht ein Tick weniger intensiv als 2001 doch das ist Kritik auf hohem Niveau. Offen, zugänglich, weich und warm am Gaumen, da ist einiges an Rumtopf im Spiel, man merkt das heisse Jahr, sehr gute Komplexität aber etwas wenig Finesse als der 2001er, gefällt mir aber im Kontext des Jahrgangs sehr gut, hat allerdings weniger Reserven als 2001, Jetzt bis 2025, 18 vvPunkte (90/100)

2006, Château Montus La Tyre, Madiran: Mittleres Bordeauxrot, leicht aufgehellter Rand. Sehr duftige, offene Nase, da sind dunkle Beeren, Eukalyptus, etwas zartbittere Schokolade, dazu auch florale Noten, sehr gute Komplexität. Am Gaumen saftig, frisch, dukelbeerig mit hervorragender Balance und mit Tanninen von feinster Qualität. Dazu eine frische Säure die mit den feinen Gerbstoffem tanzt. Der Alkohol ist hier sehr gut eingebunden. Ein Wein mit sehr guter Komplexität, bis in den langen Abgang äusserst ausgewogen. Jetzt bis 2027, 18,5 vvPunkte (93/100)

2007, Château Montus La Tyre, Madiran: Dunkles Bordeauxrot, im Kern noch sehr dunkel. Tiefe, rauchige Nase, dunkle Beeren, Eukalyptus, würzige Noten, auch wieder florale Düfte, sehr gute Komplexität. Am Gaumen weich, reif und zugänglich, dieser 2007er liegt irgendwo zwischen dem 2001er und dem 2003er. Der Wein wirkt etwas wärmer als 01, hat eine sehr gute Intensität und ist deutlich präziser als der 03er. Sehr gute Komplexität, endet allerdings aufgrund des etwas warmen Musters leicht brennend. Nicht zu warm servieren. Jetzt bis 2024, 18 vvPunkte (91/100)

2008, Château Montus La Tyre, Madiran: Dunkles Bordeauxrot, noch jugendlicher Glanz. Die Nase sauber, würzig, dunkelfruchtig, da sind wieder diese Weihnachtsgewürze, Torf, getrocknete Beeren, sehr gute Komplexität. Am Gaumen kräftig, warm und dunkelfruchtig, Massen an Gerbstoffen, eine sehr gute Säure verleihen dem Wein Frische. Noch sehr jung mit viel Struktur. Das etwas warme Muster bringt den Alkohol leider etwas zu stark in den Vordergrund. Bei 17 Grad servieren. 2020-2035+, 18,5+ vvPunkte (92+/100)

© Daniel Gazzar

Nach der geführten Degustation konnte ich einige der Weine in Ruhe ein zweites Mal verkosten. Dabei sind mir ziemlich starke Flaschen-Varianzen aufgefallen. So zeigte sich beispielsweise der 2001er aus drei verschiedenen Flaschen drei Mal sehr unterschiedlich. Einmal gross (wie von mir beschrieben), einmal sehr gut und einmal „nur“ gut. Dies bestätigt, dass es ab einem gewissen Alter keine Guten Jahrgänge sondern nur noch gute Flaschen gibt.

Mein Danke geht ans Team von Daniel Gazzar für die hervorragende Organisation dieser eindrücklichen Verkostung.

Impressum: Adrian van Velsen, Alte Spinnerei 1, CH-5210 Windisch, Telefon +41 44 350 01 44. Adrian@vvWine.ch
3 Kommentare
  1. Unknown
    Unknown says:

    Danke für den sehr aufschlussreichen und informativen Bericht. Für mich ist Herr Brumont einer der ganz grossen Winzer. Durfte vor 10 Jahren bereits Fassmuster degustieren von Alain Brumont während der Expo Vina. Unvergesslich. Tannat hat mich seit den frühen 80er Jahren fasziniert. Auch Tannat Weine aus Urguguay, früher wenigstens.Öffne allerdings bei Einladungen nicht mehr so oft diese fantastischen Weine von Alain. Zu viel Kritik an Tannine und Säure. Geniesse die Weine oft alleine und schmiede dann wieder ganz grosse Pläne. Grand merci Alain Brumont. Würde alle Jahrgänge mit 19+ Punkten bewerten.

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  2. Adrian van Velsen
    Adrian van Velsen says:

    Lieber Herr oder liebe Frau "Unkonwn". Es freut mich zu lesen, dass der Bericht gefallen hat. Alain Brumont gehört definitiv zu den grossen Weinpersönlichkeiten der Welt und seine Interpretationen der Tannat-Traube sind legendär. In der Hoffnung, dass Sie auch sonst mal wieder auf vvWine.ch zurückkehren wünsche ich weiterhin viel Freude mit den Brumont-Weinen! Weinfreundliche Grüsse, Adrian van Velsen

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  1. […] hat Alain Chabanon beim Kultwinzer von Ch. Montus, Alain Brumont (über dessen Weine wir u.a. hier schon berichtet haben), viel gelernt und Ende der 80er Jahre sein eigenes Weingut gegründet. 1992 hat er seinen […]

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