Arrivage Bordeaux 2017.

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Die Union des Grands Crus de Bordeaux lud vor einigen Wochen zur 2017er Arrivage ins Hotel Dolder am Zürichberg. Zahlreiche Château-Vertreter waren anwesend und die Menge der bereitgestellten Weine sprengte den zeitlich verfügbaren Rahmen deutlich. Dennoch wollte ich mir die Chance nicht entgehen lassen, meine Eindrücke, die ich En Primeur in Bordeaux erhalten habe, mit diesen nun abgefüllten Weinen zu spiegeln.

Veranstalter der 2017er Arrivage: Union des Grands Crus de Bordeaux (c) UGCB

Das Jahr 2017 bestand eigentlich aus drei Jahren, zumindest aus der Sicht der Winzer. Da war einerseits das Jahr des frühen Austriebes. Viele Weingüter hatten im Frühling zehn oder mehr Tage Vorsprung auf ein «normales Weinjahr». Doch dann kam der Frost, welcher in vielen Appellationen für massive Ernte-Ausfälle sorgte. Gewisse Güter haben 2017 gar keinen Wein produziert, da sie 80-90% ihrer Ernte verloren haben. Und schliesslich war 2017 auch ein Jahr der Trockenheit. Der Sommer war nicht sonderlich heiss aber extrem trocken. Nur ganz selten erlöste ein klein wenig Regen die Rebstöcke vom Trockenstress.

Die Qualitäten waren erwartungsgemäss recht heterogen und so war ich gespannt, wie sich nach dem Verkostungsmarathon der Fassmuster in Bordeaux nun die abgefüllten Weine präsentieren würden.

St-Estèphe.

2017, Château Cos Labory. Mittleres Rubin. Feiner Duft, viele wilde Kräuter, auch etwas Torf. Im Gaumen weich und zugänglich, wirkt schon recht entwickelt, eine üppige Frucht wird von feinen Gerbstoffen getragen, mittlerer Körper, gute Länge, endet auf einen Tick trocknende Tannine. 2022-2033, 18 vvPunkte (90/100).

Noch besser als En Primeur: Château Phélan Ségur (c) vvWine.ch

2017, Château Lafon-Rochet. Kräftige Farbe. Offene, warm anmutende Nase, neben dunklen, eingekochten Früchten auch Zwetschgen und Zimt. Der Gaumen ist füllig, rund und weich, sehr vollmundig, reife Gerbstoffe umhüllen die Zunge, die Frucht wirkt genau richtig reif, eine herrliche Würze schwingt mit. Einzig im Abgang fehlt es etwas an Länge, dennoch, sehr gelungen. 2022-2037, 18 vvPunkte (91/100).

2017, Château Phélan-Ségur. Kräftiges Rubin. Herrlich verspielte Nase, ein wunderbarer Duft, nobel, feminin, floral und mit bezaubernder Frucht, auch Zitrusaromen. Im Gaumen seidenweich, schlanker Auftakt, breitet sich dann aus, zeigt eine hervorragend Reife ohne Überreife, rote Beerenfrucht, dazu Gewürze, markante, fein gewobene Gerbstoffe halten das Fruchtbündel in Schach, die Säure verleiht Zug und im Abgang endet der Wein langanhaltend und würzig. Ein top gelungener Phélan, noch schöner als en Primeur und mit sehr guten Reserven. Unbedingt etwas reifen lassen. 2027-2040. 18.5 vvPunkte (92/100).

Pauillac.

2017, Château Clerc-Milon. Leuchtendes Rubin. Verschlossene Nase, sehr zurückhaltend, angenehm tiefgründig, viel Cassis, Tabak, Leder, Veilchen. Im Gaumen fruchtbetont, gradlinig, konzentriert aber ohne Schwere, ungemein dicht, dabei aber auch sehr elegant, die Gerbstoffstruktur markiert, eine top Säure verleiht Frische. Im Abgang langanhaltend, dunkelfruchtig mit floralen Retroaromen. Unbedingt etwas reifen lassen. 2026-2040. 18.5-19 vvPunkte (93-94/100).

Ein Crowd Pleaser: Château Duhart-Milon (c) vvWine.ch

2017, Château Duhart-Milon. Herrliches Parfüm, Cassis, viele Kräuter, rauchige Noten. Verspielt im Gaumen straff, gradlinig, sehr Pauillac, mittlerer Körper, markante, fein gewobene Gerbstoffe, der Wein zeigt eine saftige Säure, wirkt bereits gut zugänglich und endet auf einen wunderbaren, rotfruchtigen Abgang. Sehr gelungen, ein Crowd Pleaser, für die mittlere Reife gebaut. 2022-2036. 18.5 vvPunkte (92/100).

2017, Château Grand-Puy Ducasse. Mittleres Rubin. Offen, noch vom Holz geprägt, rotfruchtig, etwas Rauch, auch etwas warm anmutend. Im Gaumen eher schlank, zeigt markantes Tannin und eine knackige Säure, die Frucht nicht überbordend, relativ viel Struktur im Kontext der Fülle, endet mittellang auf Blutorangen. 2022-2032, 17.5 vvPunkte (89/100).

2017, Château Grand-Puy-Lacoste. Helles Rubin. Feinduftig, rotfruchtig, viele Kräuter, herrliches Parfum. Schlanker Gaumen frisch, saftig, gradlinig, eher leicht im Körper, jedoch mit Finesse. Mittellanger Abgang, ausgewogen und würzig. Wird früh Spass machen, kann reifen. 2023-2035+, 18.5 vvPunkte (93/100).

2017, Château Haut-Bages Libéral. Komplexe Nase, tiefgründig mit Trüffeln, Rauch, dunklen Beeren, leicht Tresteraromen. Üppiger Gaumen, wird dann rasch knackig und straff, markante Säure, sehr saftig, lebendig, das hat Zug, Charakter und eine gute Länge, sehr Pauillac. 2025-2040, 18 vvPunkte (91/100).

Vollmundig und mit sehr guter Struktur: Château Lynch-Bages (c) vvWine.ch

2017, Château Lynch-Bages. Dichtes Rubin. Herrliche Nase, tiefe, noble Nase, dunkelfruchtig, mit deutlich schwarzer Johannisbeere, dazu schwarze Kirschen, Brombeeren, Gewürze. Im Gaumen vollmundig, dicht, seidenweiches Tannin, sehr feine Textur, kräftiger Körper, die Frucht tanzt zwischen dunkeln und roten Beeren hin und her, eine wunderbare Säure stütz. Im Abgang lang, endet auf Schwarzkirschen. Top gelungen. 2024-2040+, 19 vvPunkte (94/100).

2017, Château Lynch Mousas. Mittleres Rubin. Verführerische Nase, wirkt modern, ziemlich dominante Röstaromen, Schokolade, Kaffee, dahinter rote Früchte, Gewürze. Der Gaumen ist straff, markante, etwas trocknende Gerbstoffe machen sich bemerkbar, mittlere Fülle, schöne Säure, im Abgang jedoch nicht sonderlich lang. Braucht ein gegrilltes Stück Fleisch. 2022-2033, 17.5 vvPunkte (88-89/100).

2017, Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande. Kräftiges Rubin. Sehr schöne, offene Nase, ungemein duftig, tief, komplex, dunkle und rote Beeren, viel Floralität, das ist ein Cabernet-Parfüm wie im Bilderbuch. Im Gaumen superfeine Textur, hervorragende Frucht, tänzerisch leicht und doch mit viel Konzentration, pure Eleganz. Macht jetzt schon Spass, wird hervorragend reifen. 2020-2042, 19 vvPunkte (96/100).

Tänzerisch leichte Konzentration: Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande (c) vvWine.ch

St-Julien.

2017, Château Beychevelle. Nobles Parfum, tiefgründig, viele Kräuter, dunkle Früchte, florale Noten, sehr komplex. Im Gaumen seidenweich, zugänglich, zeigt Schmelz und eine gewisse Fülle, bleibt dabei jedoch elegant und gradlinig, sehr präzis, mit Energie und Rasse, feinste Gerbstoffe zeigen sich erst ganz hinten im Abgang. Sehr gelungen und ein Step-up als noch En Primeur. 2024-2038, 19 vvPunkte (94/100).

2017, Château Branaire. Leuchtendes Rubin. Anfangs «funky Nose», dezent reduktiv, öffnet sich mit der Zeit, die Feuerwerks-Aromen machen einer wunderbaren Frucht Platz, rote Kirschen, auch Brombeere, dazu Granatapfel. Im Gaumen saftig und frisch, sehr rotfruchtig, mit mittelkräftigem Körper und schön reifen Gerbstoffen, zeigt Zug und viel Würze endet auf rote Beeren. Ein energiegeladener Branaire, sehr gelungen. 2022-2035. 18.5 vvPunkte (92/100)

2017, Château Gruaud-Larose. Ein Blumenduft sondergleichen mit Veilchen, getrockneten Rosen, darunter dunkle Beeren, auch Minze, medizinale Noten, verführerisch, komplex, schon wie ein Barolo. Der Gaumen ist cremig weich, füllig, mit runden, reifen Gerbstoffen und einer bezaubernden Frucht, mittelkräftiger Körper, sehr viel Würzigkeit und Frische, auch hier von roten Früchten und Veilchen geprägt und wieder mit Minze als Retroaroma. Das macht richtig Spass, ein Gedicht. 2022-2036, 18.5 vvPunkte (93/100)

Die tonangebende Farbe: Leuchendes Rubin (c) vvWine.ch

2017, Château Lagrange. Verführerische Nase, ein wahres Parfum mit Blüten, Gebäck, Brombeeren, Kirschen, ein Früchtekuchen mit einem Hauch Puderzucker. Im Gaumen zugänglich, charmant, frisch und würzig, mit saftiger, roter Beerenfrucht und einer prägnanten Säure, hallt lange nach, bringt im Abgang wieder florale Retro-Aromen. Wird früh Spass machen, ideal für die Gastronomie. 2021-2033, 18 vvPunkte (91/100).

2017, Château Langoa-Barton. Mittleres Rubin. Offene Nase, angenehm komplex, dunkle und rote Beeren, Gräser, Tabak, Rauch. Im Gaumen schmeichelnd, frische Frucht, mittlerer Körper, bereits schön integrierte, nicht sonderlich ausgeprägte, jedoch fein gewobene Tannine, saftig, knackig und mit guter Länge. Ein sicherer Wert, für die mittlere Reife gebaut. 2024-2038. 18.5 vvPUnkte (92/100).

2017, Château Léoville Barton. Tiefdunkles Rubin. Was für eine Nase, Gewürze, dunkle Beeren, Rauch, Tabak, ein Gedicht. Im Gaumen rund, zugänglich, zieht dann zu, zeigt eine markante Gerbstoff-Struktur und eine hervorragende Säure, der Wein kippt hier ins rotfruchtige, zeigt Zug und Energie, wirkt frisch und ausserordentlich harmonisch. Ein femininer Barton. 2025-2042. 19 vvPunkte (94/100).

Kräftig, komplex und mit guten Reserven: Château Léoville Poyferré (c) vvWine.ch

2017, Château Léoville-Poyferré. Dichtes Rubin, sehr dunkel. Die Nase ist nobel, tiefgründig, mit vielen reifen, dunkeln Früchten, dezent medizinalen Noten, distinguiert, öffnet sich mit mehr Luft, zeigt auch florale Aromen, sehr komplex. im Gaumen geschmeidig, zugänglich, zeigt eine enorme Dichte und dennoch Finesse, die Gerbstoffe sind von sehr guter Qualität, umgarnen die Frucht, cremige Textur und im Finish langanhaltend, endet auf rote Früchte und ein feines Sahnehäubchen. Hervorragend gelungen. 2024-2038, 19 vvPunkte (94/100)

2017, Château Talbot. Mittleres Rubin. Sehr expressive Nase mit Noten von Brombeeren, auch Blutorangen, darüber Gewürzen. Im Gaumen fast etwas harmlos im Auftakt, wirkt rund und bereits gut zugänglich, mittlerer Körper, die süsse, reife, rote Frucht paart sich mit Gewürzen, eine moderate Säure zieht den Wein in den Abgang. Wird früh Spass machen. 2021-2032, 18 vvPunkte (90/100).

Haut-Médoc und Moulis.

2017, Château Belgrave, Haut-Médoc. Intensive Nase, offen aber etwas eindimensional in der Aromatik. Im Gaumen mit reiner Frucht, wirkt fast schon kitschig schön, weich, zugänglich mit solider Struktur aber etwas wenig Länge. 17.5 vvPunkte (88/100).

2017, Château Beaumont, Haut-Médoc. Offene Nase, rote Früchte, etwas Gewürz, Streuselkuchen. Im Gaumen weich, cremig, reife rote Früchte werden von einem mittleren Gerbstoff-Korsett gestützt, die Säure verleiht Trinkfluss, im Abgang mit einem Hauch Blutorangen, endet mittellang. 2021-2029, 17.5 vvPunkte (88/100).

2017, Château Cantemerle, Haut-Médoc. Offen warmherzig, sehr reif, wirkt fast etwas gekocht. Im Gaumen zugänglich, üppig, modern, dann auch etwas krautig, markant Gerbstoff, dieser leicht trocknend. Endet eher kurz.  gab bessere. Eher kurz. 2022-2030, 17.5 vvPunkte (88/100).

2017: Ein Jahr mit Licht und Schatten (c) vvWine.ch

2017, Château Chasse-Spleen, Moulis. In der Nase intensiv, warm anmutend, rotfruchtig, würzig. Am Gaumen rund, weich, cremig, fast üppig, nicht sehr tiefgründig und mit etwas gar trocknendem Abgang. Reifen lassen und hoffen. 17+ vvPunkte (87+/100).

2017, Château La Lagune, Haut-Médoc. Feinfuftig, floral, verspielt, mit Eukalyptus, Minze, frisch geschnittenen Gräsern. Im Gaumen rund und weich, ein Charmeur mit warmer Frucht, dabei aber auch eine top Säure, knackig, saftig, mit reifen Gerbstoffen. Hinterlässt im Abgang Aromen von Sauerkirschen und Orangenzesten. Wird früh Spass machen kann gut reifen. 2022-2040, 18 vvPunkte (91/100).

2017, Château Maucaillou, Moulis. Sehr schöne Nase, floral, verspielt, wirkt verführerisch, feminin mit Noten von Tee und Kräutern. Im Gaumen zugänglich, bereits trinkbereit, nicht super komplex jedoch ausgewogen und mit reifen, nicht zu dominierenden Gerbstoffen. Endet mittellang, stimmig. Macht Spass ohne gross zu sein. 2020-2028, 17.5 vvPunkte (89/100).

2017, Château Poujeaux, Moulis. Wirkt in der Nase noch verschlossen, das Holz noch markant, dahinter ein Mix aus roter und dunkler Beerenfrucht und etwas Kräuter. Der Gaumen beginnt straff, wird dann immer weicher, feine Textur, endet leicht trocknend auf etwas gar markante Gerbstoffe. Reifen lassen. 17.5 vvPunkte (88/100).

Margaux.

2017, Château Brane-Cantenac. Dunkel. Schönes Parfum, viele Blüten, sehr floral, dazu dunkle Kirsche, Pflaume, auch Weihnachtsgewürze, eine top Nase. Im Gaumen rund, fast üppig, dabei nicht schwerfällig, saftige Frucht, reife Tannine, die Säure genau richtig dosiert, endet lang ,feinwürzig, harmonisch. 2023-2038, 18.4 vvPunkte (93/100).

2017, Château Cantenac Brown. Intensive Nase noch deutlich vom Holz geprägt, rote Früchte, Kräuter, Gewürze, verspielt. Im Gaumen straff, saftig und frisch, zeigt Druck, eine herrliche Himbeerfrucht wird von markanten, sehr feinen Gerbstoffen getragen, die Säure wirkt lebendig, im Abgang mittellang und ausgewogen. 2022-2032, 18 vvPunkte (91/100).

Charaktervoll und elegant: Château Durfort-Vivens (c) vvWine.ch

2017, Château Durfort-Vivens. Zurückhaltend, feminin, leicht krautig, komplex, zeigt mit mehr Luft Himbeeren, Gräser, ein feiner, tiefgründiger Duft. Der Gaumens schlank, frisch, leichter bis mittlerer Körper, gute Struktur, markant Gerbstoffe, auch saftige Säure, zeigt im Abgang Charakter und Würze, endet auf Tee. Spannend, elegant. 18.5 vvPunkte (92/100).

2017, Château Ferrière. In der Nase Gäraromen, dazu viele florale Noten, man wähnt sich fast schon im Barolo. Im Gaumen schlank, knackig, leichter bis mittlerer Körper, sehr vertikal, straff, mit markanten, noch etwas wilden aber fein gewobenen Gerbstoffen. Braucht Zeit, kann reifen. 2025-2038. 18+ vvPunkte (91+/100).

2017, Château Giscours. Expressive Nase, Himbeere, Trockenkräuter, Konfitüre. Im Gaumen cremig, zugänglich, mittlerer Körper, runde, weiche Tannine, die Frucht ist bezaubernd, harmoniert mit der frischen Säure, die fast schon kitschige Bonbon-Aromatik fasziniert, herrlich süffig und mit guter Länge. 2022-2038, 18.5 vvPunkte (92/100).

2017, Château Rauzan-Ségla. Nobles Parfum, dezent Holz, viele rote Früchte, Veilchen, Brombeere, sehr komplex. Im Gaumen super zugänglich, man möchte gleich schlucken, top elegant, seidige Tannine, hier ist alles an seinem Platz, die Säure wirkt frisch, stützt die rote Frucht, ohne jegliche Hitze und ganz ohne Schwerfälligkeit schwebt der Wein förmlich über die Zunge. Endet sehr, sehr lang. Einmal mehr, top gelungen. 2023-2040, 19 vvPunkte (94/100).

Pessac-Léognan.

2017, Château Bouscaut. Reife, dunkelfruchtige Nase, rauchig, schwarze Kirsche, Brombeere. Im Gaumen reichhaltig, voll, bereits gut zugänglich, modern anmutend, nicht hochkomplex, jedoch mit guten Gerbstoffen, nur im Abgang einen Tick trocknend. Gelungen. 2020-2030, 17.5 vvPunkte (89/100).

2017, Château Carbonnieux. Expressiv, floral, rauchig, zeigt Tiefe und eine gewisse Noblesse, feinwürzig, mit Anflügen von Tee und Gräsern. Im Gaumen zugänglich, weich, mittlerer Körper, herrlich reife Frucht, da ist alles an seinem Platz, kein Element dominiert, feine Gerbstoffe, gut stützende Säure, im Abgang von angenehmer Länge, zeigt eine komplexe Aromatik von Früchtetee, roten Kirschen und Blutorangen. Dieser Carbonnieux präsentiert sich noch einen Tick besser als schon en Primeur, 18 vvPunkte (90/100).

Einer der besten Weine des Jahrgangs: Château Les Carmes Haut-Brion (c) vvWine.ch

2017, Château Les Carmes Haut-Brion. Was für ein Duft, das ist ein Parfum von burgundischer Schönheit, dunkle Kirschen, Tee, Süssholz, darüber schweben florale Düfte, Veilchen, mineralische Noten, eine wahre Droge, wüsste ich nicht, dass ich im Bordeaux bin, wähnte ich mich hier eher am Chambertin-Hügel. Im Gaumen seidenweich, gradlinig, vertikal, der Wein zeigt Körper und Druck, bleibt dabei hochelegant, die Frucht ist reif, wird von markanten, superfeinen Gerbstoffen im Schach gehalten, cremig, opulent, finessenreich, mir stellt es die Haare auf, wie schön ist das denn…? Im Abgang kaum enden wollend. Der Wein hat mich schon en Primeur beeindruckt, das ist definitiv einer der besten Weine des Jahrgangs. Unglaublich, was Guillaume Pouthier hier in die Flasche gezaubert hat. Modern in der Machart, klassisch im Herz. Umwerfend. Ich kann diesen Wein jedem Eleganz-Liebhaber von Herzen empfehlen. Anders in der Art, aber auch qualitativ besser als Vieles. 2020-2040. 19.5 vvPUnkte (97/100).

2017, Domaine de Chevalier. Verführerisches Parfüm, sehr duftig, wie immer äusserst expressiv, ausladend, noch dezent vom Holz geprägt, doch auch mit viel dunkler Beerenfrucht und getrockneten Teekräutern. Im Gaumen mit weicher Textur, zugänglich, man könnte gleich schlucken, mittelkräftig, das Tannin genau richtig dosiert, nichts überbordet. Endet angenehm lang. Ein Wein, der schon in seiner Jugend verführt und doch reifen kann. 2022-2040, 18.5 vvPunkte (93/100).

2017, Château Haut-Bailly. Noble Nase, distinguiert, zurückhaltend, rotfruchtig, frisch anmutend, steinig kühl, tiefgründig. Im Gaumen schlank, gradlinig, elegant, dicht jedoch federleicht, feinste Gerbstoffe, top Säure, das ist energiegeladen, top strukturiert, unglaublich elegant und zeigt im Abgang viel Länge. Hervorragend gelungen. 2022-2040, 19 vvPunkte (95/100).

Pure Eleganz: Château Haut-Bailly 2017 (c) vvWine.ch

2017, Château Latour Martillac. Offene Nase, dunkelfruchtig, rauchig, Schwarztee, Gewürze. Weich und cremig am Gaumen, wirkt etwas scheu, fast etwas schlank mit markantem, feinkörnigem Tannin und einer schönen Cassisfrucht im Abgang. Wird früh Spass machen. 2022-2030, 17.5 vvPunkte (89/100).

Pomerol.

2017, Château Beauregard. Offen, wirkt sehr reif, Himbeeren, Erdbeeren, Waldbeeren, Tee. Im Gaumen sehr zugänglich, auch hier mit reifer Frucht, leichter Körper, wirkt etwas hitzig und zeigt mässig Ausgewogenheit. Endet mittellang auf eingekochte Erdbeere. 2020-2028 (89/100).

2017, Château Clinet. Tiefgründig, dunklel, noch etwas vom Holz geprägt, zeigt Würzigkeit. Im Gaumen straff, strukturiert, mit Druck und merklich Gerbstoff, krautig-würzig, energetisch, fast etwas wild und doch bei sich. Rotfruchtiger, langer, würziger Abgang. Muss etwas reifen. 2025-2035 (92/100).

2017, Château Gazin. Reife, offene Nase, herrlicher Duft, süssliche Gewürze, Pflaume, etwas Tabak, gekochte Erdebeere. Im Gaumen mit weichem Auftakt, packt dann zu, zeigt Struktur und markante Gerbstoffe, mittlerer Körper, reife aber dennoch saftige Frucht, endet lang, würzig, mit floralen Retro-Aromen. Muss reifen. 2025-2038 (92/100).

Muss reifen: Gazin 2017 (c) vvWine.ch

2017, Château La Croix de Gay (95% Merlot, 5% Cabernet Franc). Sehr reife Nase, eingekochte Beeren, Gewürze, Eukalyptus, Rauch, komplex. Der Gaumen ist cremig und üppig, beginnt ausladend, man könnte gleich schlucken, zeigt dann am mittleren Gaumen einen kleinen Durchhänger, endet mittellang, wieder auf leicht gekochte Frucht. 2022-2032+, 18 vvPunkte (90/100).

2017, Château Le Bon Pasteur. Nobles Parfum, tiefgründig, sehr komplex, rote und dunkle Beeren, viele Kräuter, Gräser, Laub und Süssholz. Der Gaumen ist gradlinig, klar und rein, druckvoll aber elegant, saftige Frucht, herrliche Säure, markantes, leider im Abgang ganz leicht trocknendes Tannin, dafür mit sehr guter, aromatischer Länge. Gefällt mir sehr gut. Hat Reserven. 2022-2035+ (92/100).

St-Emilion.

2017, Château Clos Fourtet. Reife, offene Nase, Anflüge von Rumtopf, eingekochte Brombeeren, Gewürze, mit mehr Luft auch rote Früchte, spannend. Im Gaumen deutlich schlanker und weniger fruchtig als die Nase verspricht, durchaus energetisch, mit saftiger Säure und einem erstaunlich frischen, angenehm langen Abgang. Wird früh Spass machen, 2022-2036, 18 vvPunkte (91/100).

2017, Château Figeac. Tief, merklich Cabernet Sauvignon, dazu Rauch, Veilchen, floral und feminin, vielschichtig, verspielt, raffiniert. Im Gaumen geht’s weiter, wie die Nase es andeutet, superfein, dezent cremig, dennoch schlank, top strukturiert, mit feinsten Tanninen, dicht und konzentriert, dabei tänzerisch leicht. Im Abgang langanhaltend, top ausgewogen, endet dunkelfruchtig. Das ist pure Eleganz, ein grossartiger Figeac. 2024-2040, 19 vvPunkte (95/100).

Top gelungen: Château Figeac 2017 (c) vvWine.ch

2017, Château Larcis-Ducasse. Die Nase ist offen reif, wirkt gekocht, zeigt dazu auch etwas Schokolade, Kirschkompott. Der Gaumen ist von mittlerer Dichte, die Frucht wirkt hier weniger gekocht, zeigt Frische, endet aber leicht trocknend. Wirkt unruhig, muss etwas reifen. 2024-2034, 18+ vvPunkte (90+/100).

2017, Château Grand Mayne. Offen, rotfruchtig, Leder, Laub, rote Beeren. Im Gaumen mit schlankem Auftakt, weiche Textur, leichter Körper, eher kurz, leicht trocknend. Nicht gross. 17 vvPunkte (87/100).

2017, Château Pavie Macquin. Reife Nase, intensiv, fruchtig, fast schon kitschig, viele Himbeeren, Kirsche, Pflaumen, modern anmutend. Im Gaumen rein, wirkt etwas gar gemacht, zeigt jedoch eine wunderbare Frucht und endet elegant. 18 vvPunkte (91/100).

2017, Château Soutard. Dunkle Farbe, sehr dicht. Die Nase ist noch etwas verhalten, braucht Zeit, zeigt viel Tiefe, eine feine Würze, reife Brombeeren, Pflaumen, kühler Rauch, nobel. Der Gaumen ist kraftvoll, dicht, und konzentriert, ein Muskelpaket, sehr feine Gerbstoffe, eine top Säure, da ist alles an seinem Platz, zeigt aromatisch noch lange nicht alles was in im steckt, endet auf Kirschen und einen Tick Sahne. Ein gelungener Soutard, unbedingt etwas reifen lassen. 18 vvPunkte (91/100). 2025-2035+.

Die Weine sind bei diversen Händlern erhältlich. Mein Kollege Yves Beck wird voraussichtlich in Kürze seine Notizen zu den 2017ern auf seiner Website publizieren.

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