Lazio: die Reben des Weinguts des Jahres bei Baur-au-Lac Vins geniessen Seesicht.

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Ich gebe zu, die Weine aus der Region Lazio kenne ich nicht wirklich gut. Ich hatte zwar den einen oder anderen Tropfen während meinen Besuchen in Rom schon im Glas, doch war ich selten wirklich angetan von deren Qualitäten.

Die Weinhandlung Baur-au-Lac Vins hat das Weingut Villa Caviciana, dessen Reben auf Vulkanböden rund um den Lago di Bolsena gedeihen, zum Weingut des Jahres gemacht. Die Weine seien einzigartig und gehören zu den angeblich besten Weinen Lazios.

Das Gut liegt etwa auf halbem Weg zwischen Siena und Rom, rund zwei Autostunden von der italienischen Hauptstadt entfernt. Es arbeitet nach biologischen Richtlinien, gelesen wird von Hand und die verschiedenen Rebsorten profitieren von herrlichen Aussichts-Lagen rund um den Bolsena-See, welche auf 400-550 Meter über dem Meeresspiegel liegen.

Das Weingut des Jahres von Baur-au-Lac Vins: Villa Caviciana aus Lazio (c) vvWine.ch

Eine Auswahl von sechs Weinen durfte ich kürzlich unter die Lupe nehmen. Nachfolgend meine Eindrücke.

2016, Filippo, IGT Lazio bianco, Villa Caviciana, Latium, Italien (Chardonnay, Sauvignon Blanc): Helles Gelb, schöner Glanz. In der Nase feinduftig, fruchtig, Mandarinen und Mirabellen geben sich die Hand, dazu Sanddorn und Kräuter, gute bis sehr gute Komplexität. Am Gaumen weich und relativ vollmundig, sehr reife Frucht gestützt von einer moderaten Säure, das Holz kaum wahrnehmbar, wieder Aromen von Mandarinen, dazu reife Aprikose und Orangenblütenhonig, dazu auch hier eine würzige Note. Im Abgang von guter Länge, sehr ausgewogen und harmonisch. Ein feiner Weisswein der jung und kühl getrunken werden will. Unkompliziert als Apérowein oder zu Vorspeisen. Jetzt bis 2018 geniessen, 17 vvPunkte (87/100).

Fruchtbetont und zugänglich: 2016er IGT Lazio bianco „Filippo“ von Villa Caviciana (c) vvWine.ch

2016, Tadzio, IGT Lazio rosato, Villa Caviciana, Latium, Italien (Aleatico): Kräftiges Rosé, Kupferreflexe. In der Nase expressiv und sehr eigenständig, reife Erdbeeren, Blutorangen, darüber florale Noten die an Rosen erinnern, Assoziationen zu Weinen aus der piemontesischen Sorte Ruché kommen auf, gute Komplexität. Im Auftakt sehr fruchtbetont, wieder Rosenwasser, Walderdbeeren und etwas Pfirsich, leichte Struktur, mässig ausgeprägte Säure. Im Abgang kurz aber stimmig. Ein trinkanimierender Rosé der zu Ziegenkäse mit Olivenöl oder Antipasti eine gute Falle machen dürfte. Jetzt bis 2018 geniessen, 17 vvPunkte (85/100).

Expressiv aromatisch: 2016er IGT Lazio rosato „Tadzio“ von Villa Caviciana (c) vvWine.ch

2012, Eleonora, IGT Lazio rosso, Villa Caviciana, Latium, Italien (Sangiovese, Merlot): Mittlers Rubin, aufgehellter Rand. Offene Nase mit Noten von weissem Pfeffer und Lakritz, Pflaume, schwarze Oliven und Hagebuttenkonfitüre, gute bis sehr gute Komplexität. Am Gaumen weicher Auftakt, reife Frucht, wieder Hagebutten, feinwürzig, mittlerer Körper, leichte Struktur mit moderat ausgeprägten, weitgehend abgeschmolzenen Gerbstoffen und einer eher tiefer Säure. Im Abgang fruchtbetont und wieder mit einer angenehmen Würze. Ein unkomplizierter Tischwein für alle Tage, passt zu Pasta und geschmorten Fleischgerichten oder aber zu Hartkäse. Jetzt bis 2019 geniessen, 17.5 vvPunkte (88/100).

Unkomplizierter Essbegleiter: 2012er IGT Lazio rosso „Eleonora“ von Villa Caviciana (c) vvWine.ch

2012, Letizia, IGT Lazio rosso, Villa Caviciana, Latium, Italien (Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot): Kräftiges Rubin, leicht aufgehellter Rand. Angenehm tiefe und komplexe Nase, intensiv würzig mit Anflügen von Salbei, darüber rauchig-torfige Noten, viel dunkle Pflaumenfrucht, Brombeeren und Süssholz. Im Auftakt straff und gradlinig, sehr feine Gerbstoffe, gut integrierte Säure, mittlerer Körper, sehr gute Struktur, die dunkle Frucht zieht sich am Gaumen weiter, ist angenehm saftig, wird ergänzt durch Aromen von Dörrfeigen, Pflaumen und Hagebutten. Im Abgang sehr lang, endet auf Lakritz. Das ist kein Wein für ungeübte Gaumen, relativ burschikos aber dennoch mit einem gewissen Charme, ein Wein der Essen braucht und dieses mit seiner durchaus komplexen Art sehr gut begleitet wird. Ideal zu Ossobucco, gegrilltem Fleisch oder Pilzgerichten. Jetzt bis 2023 geniessen, 18 vvPunkte (91/100)

Charaktervoll und rustikal: 2012er IGT Lazio rosso „Letizia“ von Villa Caviciana (c) vvWine.ch

2013, Faustina, IGT Lazio rosso, Villa Caviciana, Latium, Italien (Sangiovese, Tannat): leider korkte diese Musterflasche. Wir werden Faustina baldmöglichst nachverkosten.

Leider Opfer eines Korkfehlers: 2013er IGT Lazio rosso „Faustina“ von Villa Caviciana (c) vvWine.ch

2009, Maddalena dolce, IGT Lazio rosso, Villa Caviciana, Latium, Italien (Aleatico): Rubingranat, aufgehellter Rand. Sehr intensiv duftende Nase, Dörraprikosen, Nüsse, Feigen und Datteln werden durch feine Rosenaromen begleitet, sehr gute Komplexität. Am Gaumen süss im Auftakt, sehr reife Frucht, die Dörraprikosen und Feigen nehmen überhand, trotz der Süsse wirkt der Wein nicht klebrig sondern durch eine gut integrierte Säure erstaunlich frisch. Im Abgang von sehr guter Länge, endet auf Dörraprikosen, Rosinen und etwas Kaffee. Eine rote Süsswein-Kuriosität. Warum nicht zu Vanille-Eis mit Pflaumenkompott? Jetzt bis 2030 geniessen, 18.5 vvPunkte (92/100)

Interessante Süsswein-Kuriosität: 2009er IGT Lazio rosso „Maddalena dolce“ von Villa Caviciana (c) vvWine.ch

Fazit: eine interessante Entdeckung die bei so manchem Italien-Liebhaber Ferienträume wecken dürfte. Sämtliche Weine sind bei Baur-au-Lac erhältlich. Am 26. August kann man die Winzer zudem persönlich in der Filiale Regensdorf treffen und alle Weine probieren.

Weingut des Jahres von Baur-au-Lac Vins: Villa Caviciana (c) vvWine.ch

 

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