Château Fourcas Dupré

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Während meiner regelmässigen Bordeaux-Reisen für die Verkostungen der aktuell lieferbaren Jahrgänge im Januar respektive während den Primeurwochen im April fuhr ich immer wieder an derselben Baustelle in Listrac vorbei und fragte mich, was dort wohl entsteht. Kürzlich erhielt ich endlich die Antwort. Anlässlich der offiziellen Einweihung durfte ich die neue Kellerei von Château Furcas Dupré besichtigen und erleben, wie umfassend sich das Weingut seit der Übernahme durch Gérard Jicquel im Jahr 2019 verändert hat. Schnell wurde deutlich, dass hier weit mehr entstanden ist als ein neuer Keller: Fourcas Dupré hat die vergangenen Jahre genutzt, um das Weingut von Grund auf neu auszurichten, im Weinberg, im Keller und mit einer klaren Vision für die Zukunft.

Die neuen Keller von Château Fourac Dupré (c) vvwine.ch

Herzstück dieser Neuausrichtung ist die konsequente Analyse des 61 Hektar umfassenden Weinbergs. Die Rebflächen, die auf einem der höchsten Punkte des Médoc liegen und von Kies-, Ton- und Kalkböden geprägt sind, wurden Parzelle für Parzelle untersucht. Ziel war es, die Eigenheiten jedes einzelnen Weinbergs besser zu verstehen und künftig gezielter herauszuarbeiten. Statt einfach eine möglichst homogene Assemblage zu erzeugen, möchte das Team um Gutsdirektor Lucas Leclercq heute die unterschiedlichen Facetten des Terroirs erlebbar machen.

Damit diese Philosophie umgesetzt werden kann, wurde die Infrastruktur vollständig erneuert. Die neue Kellerei verfügt über 31 Betontanks unterschiedlicher Grösse, in denen bis zu 40 Parzellen separat vinifiziert werden können. Der Keller erlaubt eine besonders schonende Verarbeitung der Trauben und eröffnet deutlich mehr Möglichkeiten, verschiedene Vinifikations- und Ausbaukonzepte auszuprobieren. Es geht dabei weniger um technische Spielereien als um grösstmögliche Flexibilität und Präzision.

Die spannendsten Resultate dieser Arbeit stehen inzwischen in der Flasche. Neben den klassischen Weinen des Châteaus präsentiert Fourcas Dupré erstmals eine ganze Reihe neuer Cuvées, die unterschiedliche Stilrichtungen und Vinifikationsmethoden repräsentieren. Sie sollen die traditionellen Weine nicht ersetzen, sondern das Portfolio erweitern und zeigen, welches Potenzial in den verschiedenen Parzellen und Rebsorten steckt.

Weine-Innovationen von Château Fourac Dupré (c) vvwine.ch

Ein Beispiel dafür ist ROZ, ein Rosé aus Cabernet Sauvignon. Während Rosé im Médoc traditionell eher eine Nebenrolle spielt, setzt Fourcas Dupré bewusst auf einen eigenständigen Stil mit viel Frische, Spannung und präziser Frucht. Ebenfalls ungewöhnlich für Bordeaux ist L’Illusion, ein Blanc de Noirs aus Cabernet Sauvignon. Obwohl ausschliesslich rote Trauben verarbeitet werden, entsteht ein weisser Wein, der teilweise in Amphoren ausgebaut wird und mit Frische sowie einer feinen Textur überzeugt.

Mit der neuen Linie Là-Haut rückt das Weingut einzelne Rebsorten und Parzellen in den Mittelpunkt. Den Auftakt bildet ein reinsortiger Cabernet Sauvignon, doch künftig sollen weitere Weine dieser Kollektion folgen und die Vielfalt der identifizierten Terroirs dokumentieren.

Auch De l’un à l’autre verlässt gewohnte Bordeaux-Pfade. Statt einen einzelnen Jahrgang abzubilden, vereint diese Cuvée mehrere Jahrgänge zu einem Wein mit konstantem Hausstil. Multi-Vintage-Weine sind in Bordeaux nach wie vor selten, eröffnen den Winzern jedoch zusätzliche Möglichkeiten, unabhängig von den Eigenheiten eines einzelnen Jahrgangs eine gleichbleibende Stilistik zu entwickeln.

Weitere neue Weine widmen sich einzelnen Ausbaumethoden. Pure Ø wird ausschliesslich im Beton ausgebaut und verzichtet vollständig auf Holz, um den Fruchtausdruck möglichst unverfälscht zu bewahren. Full Grapp‘ setzt dagegen auf die Ganztraubenvergärung. Die Trauben werden von Hand gelesen und ohne Entrappen verarbeitet, wodurch ein eher von Frische, Würze und feinen Tanninen geprägter Wein entsteht als bei einer klassischen Extraktion.

Neben Weinbergen und Keller wurden auch die Gebäude des Châteaus umfassend modernisiert. Die historische Chartreuse präsentiert sich heute mit einem zeitgemässen Innenausbau, gleichzeitig entstand eine neue Boutique mit Degustationsbereich.

Mein Eindruck nach dem Besuch: Fourcas Dupré bleibt seinen klassischen Weinen treu, hat deren Qualität jedoch deutlich gesteigert und öffnet sich bewusst neuen Ideen. Die neuen Cuvées wirken dabei nicht nur wie Marketingprodukte, sondern wie das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit den eigenen Weinbergen und den Möglichkeiten moderner Vinifikation. Es bleibt abzuwarten, welche dieser Weine sich langfristig etablieren werden.

Mehr Informationen zu Château Fourcas Dupré findet man unter Beautiful Life Wines

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