Shelter Winery: Pinot Noir mit Rasse und Klasse.

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Hätte ich die mir bisher nicht bekannte Shelter Winery geografisch einem Land zuordnen müssen, ich hätte sie wohl in die USA oder nach Australien verbannt. Doch weit gefehlt: das rund fünf Hektar kleine Weingut von Hans-Bert Espe und Silke Wolf liegt im badischen Breisgau, genauer gesagt in Kenzingen. Aus Weinbergen in Bombach (Sommerhalde), Malterdingen (Bienenberg) und Kenzingen (Hummelberg) keltert das Team zwei äusserst charaktervolle Weine aus der Pinot Noir Traube: zum einen das Aushängeschild des Weinguts, der «Pinot Noir», zum anderen ein aus den deklassieren Fässern des grossen Bruders stammender «Spätburgunder», welcher in Sachen Preis-/Leistung zum Besten gehört, was ich in letzter Zeit verkosten durfte.

Rasse und Klasse zu sehr fairem Preis: Pinot noir und Spätburgunder 2014 von Shelter Winery (c) vvWine.ch

2014, Spätburgunder, Shelter Winery, Baden, Deutschland (100% Pinot Noir): Helles Rubin. Offene, fruchtbetonte Nase, viele dunkle Kirschen, reife Erdbeeren, Anflüge von Blutorangen, Kräuter und markant würzige Noten die an Zimt und Gewürzbrot erinnern. Feinfruchtiger Auftakt, einiges an Schmelz, auch hier sehr viel Würze, leichter bis mittlerer Körper, mässig ausgeprägte Gerbstoffe, eine schöne Säure stützt die reife rote Frucht, am hinteren Gaumen schwingt auch ein Hauch Bitterkeit mit, doch diese stört mich nicht, sondern verleiht dem Wein einen spannenden, eigenständigen Charakter. Im Abgang angenehm lang und ungemein würzig. Der Wein hat Trinkfluss und Profil. Hier gibt’s nichts zu meckern, schon gar nicht zu diesem Preis. Jetzt bis 2024 geniessen, 17.5 vvPunkte (89/100).

Der Frühling kann kommen: grün, rot, würzig, blumig: Pinot Noir 2014, Shelter Winery (c) vvWine.ch

2014, Pinot Noir, Shelter Winery, Baden, Deutschland (100% Pinot Noir): Leuchtendes Rubin. Tiefe, noch etwas vom Barrique-Ausbau geprägte Nase, Rauch, Tabak, viele dunkle Kirschen, auch Sauerkirschen, darüber florale Noten, ein ganzes Packet voll von Weihnachtsgewürzen, Zimt, Tannenharz, sogar etwas Lavendel-Honig, was für ein herrlicher Duft, sehr komplex und sich ständig verändernd. Straffer, kraftvoller Auftakt, dann rasch sehr frisch werdend, mittlerer Körper, sehr gute Struktur, wie schon beim „kleinen Bruder“ dezent bitteres Tannin (jahrgangsbedingt?), doch das steht dem Wein gut, eine wunderbar integrierte Säure verleiht viel Frische, das Holz ist am Gaumen top eingebunden. Aromatisch tanzt der Wein zwischen dunkler und roter Frucht, dazu kommt diese stark ausgeprägte Würzigkeit, ein herrliches Mundgefühl, finessenreich und mit viel Charakter. Langer, feinwürziger Abgang. Das hat Rasse und Klasse! Jetzt (belüften) bis 2028. 18.5+ vvPunkte (92+/100)

Shelter Winery Pinot Noir und Spätburgunder 2014: perfekt zu einem Wachtelbrüstchen an Orangen-Pfeffer-Sauce mit Bratkartoffeln (c) vvWine.ch

Die beiden Weine sind fast schon unanständig günstig bei Peterkuhnweine zu erwerben: der Spätburgunder kostet CHF 13.50, der Pinot Noir CHF 34.00.

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