Zero Dosage Champagne und Tokaji; keine schlechte Kombination.

In kleinem aber nicht minder gemütlichem Rahmen verkosteten wir bei der heutigen Champagne Monday Bouteille (danke Dominik für die Organisation) sechs Champagner mit Zero (oder fast Zero) Dosage. Flight 1 präsentierte sich schon sehr angenehm:
 
2010, Champagane Piollot, Père et Fils, Cuvée Val Colas Robin, Champagne: Mittleres Gelb, feine Perlage. Sehr feiner Duft nach grünem Apfel, Zitrone, auch Zitronenmelisse, dazu Gräser, eher zurückhaltend, mit etwas Luft auch Brotaromen, gute Komplexität. Am Gaumen schlanker Auftakt, grüne Äpfel, Noten von Limetten, prägnante Säure, in sich sehr ausgewogen bei guter Komplexität. Ein stimmiger, schlanker Wein mit mittellangem Abgang, 17,5 vvPunkte, (88/100)
2002, Côte , Champagne: Intensives Goldgelb, etwas gröbere Perlage. Reife Nase, anfangs nasser Hund und mehliger Apfel, mit der Zeit Anflüge von Caramel und Brioche, verändert sich ständig. Sehr gute Komplexität. Am Gaumen breiter Auftakt, wieder schöne Reifenoten, Brioche, gut integrierte Säure, recht kräftiger Körper. Ein sehr schöner Wein mit langem Abgang, 18 vvPunkte, (92/100)
 
n/a, Champagne Fleury, Brut nature, Champagne: mittleres Goldgelb, feine Perlage. Offene Nase, recht spitz, grüne Olive, Ruccolanoten, frisch geschnittenes Gras, mit Luft auch grüne Wahlnuss und florale Aromen die an Flieder erinnern, mit noch mehr Luft sogar Weihnachtsgewürze (Magenbrot), sehr gute Komplexität. Am Gaumen saftig frisch im Auftakt, sehr schlank und fein, gradlinig, mässig ausgeprägte Aromatik, wirkt etwas eingeschränkt mit spitzer Säure. Etwas karg alles in allem, doch zweifelsohne sehr sauber. Im Abgang zu kurz. Die Nase bietet mehr als der Gaumen hält. Trotzdem, 18 vvPunkte, (90/100)
 
Flight zwei legte bezüglich Komplexität noch einen Zacken zu und konnte beim sehr guten Fleisch-Hauptgang problemlos mithalten…
 
 
n/v (2010), Ulysse Collin Les Maillons, Champagne: dunkles Strohgelb. Mässig ausgeprägte Perlage, wirkt relativ reif. Anfangs verhaltene, etwas moderig feuchte Nase, Maroniaromen (Vermicelles), spannend aber nicht einfach zu riechen. Am Gaumen straffer Auftakt, kräftige Säure, sehr präzis, einiges an Mineralik, dann auch Noten von Pistazien, sehr spannend und mit einer wunderbaren Harmonie. Wirkt noch frisch und knackig und hat eine sehr gute Komplexität, 18 vvPunkte, (90/100)
2008, Marie-Courtin, Efflorescence, Champagne: mittleres Gelb, feine Perlage. Sehr offene, einladende Nase, Kohlrabi, würzig, käsig (Walliser Raclette lässt grüssen), Aromen von Wahlnuss, auch welke Blumen, mit mehr Luft weisse Blüten, sehr gute Komplexität. Am Gaumen gradliniger Auftakt, sehr frisch, Zitrusaromen, leicht grasig, einiges an grünem Apfel, sehr straffe Säure, wunderbar präzis mit sehr guter Qualität. Rein und klar und mit ausgezeichneter Länge im Abgang. Gefällt mir ausgezeichnet, 18,5 vvPunkte, (93/100)
n/a, Vincent Bliard, Excellence, Champagne: kräftiges Strohgelb, feine Perlage. Offene Nase, rauchige und torfige Noten, unglaublich, in einem Champagner (!?), wunderbare Komplexität, sich immer wieder verändernd, sehr, sehr spannend. Mit Luft kommt zudem noch Akazienhonig, frisch geröstete Haselnuss sowie eine unaufdringliche, laktische Note dazu. Sehr saftiger Gaumen, unglaublich frisch, und knackig, die Säure straff, da ist grüner Apfel und ein Hauch Limette, sehr komplex und gut strukturiert, von A-Z frisch und ausgewogen, ausgezeichnete Qualität, langanhaltend im Abgang. 19 vvPunkte, (94/100)
Zum Käse gönnten wir uns zwei Süssweine aus Ungarn (vielen Dank Rainer für diese Horizont-Erweiterung). Die beiden Tropfen bestätigen eindrucksvoll, dass Tokaji massiv unterschätz wird. Farblich praktisch identisch, doch aromatisch zwei (wunderbare) Welten…
1999, Tokaji Aszu, 6 Puttonyos, Edes Borkülöntegessig: Dunkles Bernstein, Kupferreflexe. Sehr offene Nase, eingekochte Aprikose, rauchige Aromen, heller Tabak, Quitte, Olivenöl, Gräser, sehr gute Komplexität. Äusserst voller Gaumen, viel Studentenfutter, wieder Aprikose, getrocknete Nüsse, sehr kräftig und unglaublich dicht mit grossartiger Stuktur. Für meinen Geschmack  ein Tick zu viel Süsse aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau. Ein sehr schöner Wein mit einem sehr langen Abgang, 18,5+ vvPunkte, (93+/100)

 

1993, Tokaji Aszu,  5 Puttonyos, Disznokö: dunkles Bernstein, sehr schöner Glanz. Klare, frische Nase, deutlich weniger süss als der 6 Puttonyos, da sind Rauchnoten, Blutorange, Curry, auch Bienenwachs, sehr mineralisch, frisch wirkend mit sehr guter Komplexität. Am Gaumen frisch und knackig, unglaublich saftig, da sind Aromen von Schwarztee und Bergamotte, äusserst intensiv, ausgezeichnete Harmonie und sehr gute Komplexität, wow, ein Traum in seinem aktuellen Stadium. 18.5 vvPunkte, (93/100)
Impressum: Adrian van Velsen, Alte Spinnerei 1, CH-5210 Windisch, Telefon +41 44 350 01 44. Adrian@vvWine.ch
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