Jean Smit lässt Südafrikas Terroirs Sprechen
Wer Damascene Wines und Moya Meaker der Habibi Farm zum ersten Mal im Glas hat, merkt rasch: Hier geht es um weit mehr als einfach «guten Wein». Hinter den Projekten Damascene und Moya Meaker stehen David Curl und Jean Smit, ein Winzer mit einer klaren Vision. Jean Smit möchte die vielfältigen Terroirs Südafrikas präzise, ehrlich und unverfälscht ins Glas bringen – ohne Make-up, ohne Effekthascherei, mit Weinen, die vor allem eines tun: erzählen, woher sie kommen.
Besucht habe ich Jean auf der Habibi Farm, die in Elgin beherbergt ist und dort über einen einzigartigen, drei Hektar grossen Rebberg mit Pinot Noir verfügt, dessen Wein unter dem Namen Moya Meaker abgefüllt wird. Dieser Name ist eine Hommage an die ehemalige Schönheitskönigin Moya Meaker, Mutter von David Curls in Südafrika geborener Ehefrau Genevieve Curl.
Damascene – eine junge Marke mit klarer Haltung
Damascene ist ein junges Projekt mit erstaunlicher Strahlkraft. Der Ansatz ist bewusst fokussiert: kleine Mengen, selektierte Lagen, kompromissloser Qualitätsanspruch und ein radikales Bekenntnis zur Herkunft. Statt eine breite Palette aufzubauen, konzentriert sich Damascene auf wenige, gezielt ausgewählte Rebsorten und Einzellagen. Syrah, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc oder Chenin Blanc stehen im Mittelpunkt – jedoch nie als «Sortenstars», sondern als Botschafter ihres jeweiligen Bodens und Mikroklimas.

Jean Smit ist ein Terroir-Übersetzer. Er hat seine Erfahrung bei einigen der renommiertesten Betriebe am Kap gesammelt. Diese Jahre im Weinberg und Keller haben ihn geprägt: Er denkt vom Rebberg aus, nicht vom Keller. Seine Handschrift besteht weniger in einem erkennbaren «Hausstil» als in der Fähigkeit, sich als Winzer zurückzunehmen. Er will nicht sich selbst im Glas abgebildet sehen, sondern Stellenbosch, Swartland, Cederberg oder Elgin. Smit versteht sich als Übersetzer, der die Sprache der Reben und Böden aufnimmt und möglichst unverfälscht weitergibt.
Das Ziel: Südafrikas Terroirs differenziert zeigen
Südafrika ist weinbaulich ein Mosaik: maritime Einflüsse, kühle Höhenlagen, alte Buschreben, karge Schiefer- und Granitböden – auf engem Raum treffen Welten aufeinander. Genau hier setzt Jean Smit an. Jede Lage wird eigenständig betrachtet, es gibt kein standardisiertes Rezept für Ausbau oder Stilistik. Der Eingriff im Keller bleibt bewusst minimal: Spontangärung statt Reinzuchthefen, zurückhaltender Holzeinsatz, keine übertriebene Extraktion. Frische, Transparenz und Textur stehen im Vordergrund. Statt verschiedene Regionen zu verschneiden, vinifiziert Smit sie separat, damit sich die Eigenart jedes Terroirs klar zeigen kann. So entsteht eine Kollektion, die wie eine sensorische Landkarte Südafrikas funktioniert.
Terroir im Glas: von kühlen Lagen und alten Reben
In den Weinen von Damascene wird unmittelbar spürbar, wie Klima und Boden den Charakter prägen. Kühle Lagen bringen Spannung, Frische und präzise Aromatik, besonders bei Syrah und Cabernet Franc, die hier eine unerwartete Eleganz zeigen und eher an die «alte Welt» erinnern als an schwere, sonnengereifte Kap-Weine. Schiefer-, Granit- oder Sandböden hinterlassen jeweils ihre eigene Handschrift in Struktur und Mundgefühl: eine salzige Ader, steinige Noten, straffe Tannine oder eine fast schwebende Leichtigkeit. Alte Reben – insbesondere bei Chenin Blanc – sorgen für Tiefe und Konzentration, ohne dass die Weine schwer wirken.

Präzision und Zurückhaltung im Keller
Auch im Ausbau bleibt Smit seiner Philosophie treu. Die Trauben werden selektiv von Hand gelesen und schonend verarbeitet; oft kommen Ganztrauben oder ein Anteil davon zum Einsatz, um Frische, Spannung und feinkörnige Tannine zu bewahren. Die Gärung erfolgt spontan, getragen von der natürlichen Hefe, um der Herkunft zusätzlichen Ausdruck zu verleihen. Holz wird bewusst nur moderat eingesetzt: Fässer dienen der Struktur und Reife, nicht der Aromatisierung. Das Ergebnis sind Weine mit Klarheit, Energie und bemerkenswerter Trinkigkeit – trotz Tiefe und Komplexität.
Südafrika neu denken
Damascene und Jean Smit stehen sinnbildlich für eine neue Generation südafrikanischer Weinmacherinnen und Weinmacher, die sich vom Bild des lauten, opulenten Kap-Weins lösen. An die Stelle von Wucht tritt Finesse, an die Stelle eines generischen Markenstils ein klares Bekenntnis zur Herkunft. Es geht um Weine mit Persönlichkeit und Langlebigkeit statt um schnellen Effekt. Das ist gerade für den europäischen Markt und damit auch für die Schweiz wichtig, denn Projekte wie Damascene tragen dazu bei, Südafrika als ernstzunehmende Terroir-Nation neu zu betrachten.

Fazit: Weine, die Herkunft zur Hauptsache machen
Damascene Wines ist mehr als ein Label – es ist ein Manifest für Terroir. Jean Smit zeigt mit beeindruckender Konsequenz, wie vielfältig und charakterstark Südafrikas Weinlandschaften sind, wenn man sie präzise und respektvoll interpretiert. Für alle, die neugierig auf die feinere, differenzierte Seite Südafrikas sind und Winzer schätzen, die ihr Ego hinter den Wein stellen, ist Damascene eine Entdeckung, die sich lohnt.
Aktuell sind diverse Weine dieses Weinguts beim Schweizer Importeur Kapweine in Aktion erhältlich. Eine gute Gelegenheit, einige dieser Weine nebeneinander zu probieren und so eine vinophile Reise durch die Regionen am Kap zu unternehmen.



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